Chemie

An der Justus-Liebig-Universität Gießen ist Forschenden um Peter R. Schreiner im vergangenen Jahr eine wissenschaftliche Sensation gelungen: Erstmals wurde Hexastickstoff (N₆) hergestellt – ein Molekül aus sechs linear angeordneten Stickstoffatomen.

Während Stickstoff in unserer Atmosphäre normalerweise als extrem stabiles N₂ vorkommt, galt eine weitere Modifikation lange als rein theoretisch. Mit der erfolgreichen Synthese von N₆ wurde nun eine neue, hochenergetische Form des Elements experimentell nachgewiesen.

Dafür wurde das Hexastickstoff-Molekül (N₆) von Chemical & Engineering News, dem Publikationsorgan der American Chemical Society, zum Jahresende schließlich auch zum „Molecule of the Year 2025“ gekürt.

Das neuartige Molekül ist die energiereichste bislang erzeugte Substanz und zerfällt rückstandslos zu normalem Luftstickstoff. Dabei wird pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie frei wie bei TNT – allerdings ohne umweltschädliche Nebenprodukte. Diese Eigenschaft macht N₆ zu einem potenziell klimafreundlichen Energiespeicher oder sogar zu einem nachhaltigen Raketentreibstoff. Zugleich unterstreicht Schreiner, dass sein Team klar auf zivile Anwendungen fokussiert ist.

Noch ist Hexastickstoff äußerst instabil: Bei Raumtemperatur existiert das Molekül nur rund 35 Millisekunden. Die kontrollierte Herstellung und sichere Handhabung stellen daher große Herausforderungen dar. Bevor an praktische Anwendungen zu denken ist, müssen grundlegende Eigenschaften weiter erforscht und Wege zur Stabilisierung – etwa durch Bindung an feste Materialien – entwickelt werden. Die Forschenden rechnen mit mehreren Jahren intensiver Grundlagenarbeit.

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im renommierten Fachjournal Nature und sorgten international für Aufsehen. Die Entdeckung gilt als Meilenstein der Hauptgruppenchemie und zeigt, dass selbst bei vermeintlich gut erforschten Elementen noch Überraschungen möglich sind. Für Schreiner ist N₆ weniger eine Entdeckung als eine Erfindung – und vor allem der Beweis, dass mutiges, konzeptionelles Denken neue Türen in der Chemie öffnen kann.

Prof. Dr. Peter R. Schreiner leitet das TransMIT-Zentrum für funktionalisierte Nanodiamanten. Weitere Informationen unter:

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