30-jähriges Jubiläum Panel
TransMIT feiert Jubiläum und blickt auf drei Jahrzehnte erfolgreichen Wissens- und Technologietransfer sowie neue Perspektiven für die Zukunft

Mit einem Festakt im Forum der Volksbank Mittelhessen in Gießen hat die TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH in dieser Woche ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung standen drei Jahrzehnte erfolgreicher Wissens- und Technologietransfer aus der öffentlichen Forschung in Wirtschaft und Gesellschaft, konkrete Beispiele für die Wirkung dieser Zusammenarbeit sowie die zukünftige Entwicklung der TransMIT als leistungsfähige Transferplattform – in Mittelhessen, deutschlandweit und zunehmend auch auf europäischer Ebene.

Zu den Gästen und Gratulanten zählten unter anderem Prof. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg und Beiratsvorsitzender der TransMIT GmbH, Michael Müller, Vorstand der Volksbank Mittelhessen, Dr. Christoph Ullrich, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Gießen und Vorsitzender des Vereins Mittelhessen, Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Marco Kreuter, Abteilungsleiter im Hessischen Wirtschaftsministerium, als Vertreter des Hessischen Wirtschaftsministers Kaweh Mansoori. In ihren Grußworten würdigten sie die Bedeutung der TransMIT für die Verbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und Region und die Entwicklung des Wissens- und Technologietransfers in Mittelhessen. Unter den rund 160 Gästen befanden sich auch zahlreiche Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1996 hat sich die TransMIT kontinuierlich weiterentwickelt. Was einst als gemeinsames Transferprojekt der mittelhessischen Hochschulen, Volksbanken und Sparkassen sowie der IHK Gießen-Friedberg begann, ist heute eine breit aufgestelltes Transferökosystem. Mit rund 170 Angestellten und 227 Leiterinnen und Leitern von inzwischen 180 TransMIT-Zentren und -Projektbereichen sind aktuell rund 400 Menschen für den Transfer aus und zwischen den drei mittelhessischen Hochschulen tätig. Zehn TransMIT-Zentren sind darüber hinaus außerhalb Hessens aktiv. Hinter diesen Zahlen steht eine Vielzahl konkreter Kooperationen, Forschungsergebnisse, Innovationen und Gründungsvorhaben, die über die Strukturen der TransMIT ihren Weg in die Anwendung finden.

Bundesweit wirksamer Transfer: Der Studieneignungstest „BaPsy“

Wie aus einer wissenschaftlichen Idee ein bundesweit eingesetztes Angebot werden kann, zeigte Prof. Dr. Annette Kluge, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), am Beispiel des bundesweiten Studieneignungstest für Psychologie „BaPsy“, welcher im dritten Jahr bereits mehr als 7000 TeilnehmerInnen an rund 40 Hochschulen verzeichnen konnte. Der BaPsy ist zugleich ein konkretes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen TransMIT und einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft: Die TransMIT übernimmt als Transferpartner wesentliche Aufgaben bei der Umsetzung und Bereitstellung des Tests. Aus wissenschaftlicher Expertise ist so ein bundesweit nutzbares Angebot entstanden – eine Zusammenarbeit, die Wirkung zeigt und beispielhaft dafür steht, wie Transfer über die Grenzen einer einzelnen Hochschule oder Region hinaus gelingen kann.

Innovationsstrukturen für die Zukunft

In seiner Präsentation blickte Dr. Peter Stumpf, Geschäftsführer der TransMIT GmbH, auf die Meilensteine der vergangenen drei Jahrzehnte zurück und stellte zugleich die Entwicklung der TransMIT als Transferplattform vor. Vier Innovationsstrukturen prägen dabei die Arbeit der TransMIT: die TransMIT-Zentren als dezentrale Geschäftsbereiche für die Vermarktung wissenschaftlicher Leistungen, die Patentverwertung und Gründerberatung, der Prä-Inkubator sowie Kooperationsnetzwerke und die Erschließung neuer Märkte.

Die TransMIT-Zentren bilden dabei weiterhin das Rückgrat des Modells. Sie ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Forschungsergebnisse professionell zu verwerten, Dienstleistungen und Produkte anzubieten und aus wissenschaftlichen Arbeiten neue Anwendungen und Geschäftsideen zu entwickeln. Unternehmen erhalten zugleich einen niederschwelligen, direkten Zugang zu wissenschaftlicher Expertise, Technologien und Infrastrukturen. Mit ihrer heutigen Größe verfügt die TransMIT damit über eine umfangreiche Transferplattform: Rund 400 Menschen – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Leiterinnen und Leiter der TransMIT-Zentren und -Projektbereiche – arbeiten daran, Wissen und Technologien aus der Wissenschaft in Wirtschaft und Gesellschaft zu übertragen und Kooperationen zwischen den mittelhessischen Hochschulen und externen Partnern zu ermöglichen.

Dabei richtet sich der Blick zunehmend über die Region und Deutschland hinaus. Unter dem Motto „TransMIT goes Europe“ soll die Rolle der TransMIT als Transferpartner auf europäischer Bühne weiter ausgebaut werden. Dabei wird auch der Aufbau mehrerer europäischer Kooperationsnetzwerke anvisiert. Ziel ist es, neue Partner zusammenzubringen, internationale Kooperationen zu ermöglichen und wissenschaftliche Ergebnisse auch über nationale Grenzen hinweg in die Anwendung zu bringen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung technologieorientierter Gründungsvorhaben. Gestützt auf eine noch stärkere Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wird die TransMIT den Geschäftsbereich „TransMIT-StartLabs“ – From Lab to Launch – aufbauen. Dies soll dazu beitragen, den Weg vom Forschungsergebnis zu einem gründungsfähigen Deep-Tech-Vorhaben zu verkürzen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei den ersten Schritten auf dem Weg zur unternehmerischen Umsetzung zu unterstützen.

„Eine Zusammenarbeit, die Wirkung zeigt“

Wie vielfältig die Wirkung des Technologietransfers sein kann, wurde anschließend in einer großen Podiumsdiskussion deutlich. Vertreterinnen und Vertreter unter anderem der Stadt Gießen, der Unternehmen B. Braun SE und Thermo Fisher Scientific, der DFG sowie Professoren aus verschiedenen TransMIT-Zentren berichteten aus ihren Erfahrungen mit gemeinsamen Projekten.

Evelina Kuranel von der Stadt Gießen hob die „wunderbare Zusammenarbeit“ mit der TransMIT und das „unglaubliche Know-how“ insbesondere bei der Erarbeitung der kommunalen Wärmeplanung hervor. Entscheidend sei dabei auch die regionale Verankerung der TransMIT gewesen: „Sie kennen die regionalen Strukturen und haben flexibel auf unsere Bedarfe reagiert.“

Gerade aus Sicht von Gründern und Unternehmen zeigt sich der Nutzen der TransMIT insbesondere in der frühen Phase der wirtschaftlichen Verwertung. Dr. Nicole Linklater von der LAS-interactiv GmbH und Dr. Marcel Drüschler von rhd instruments – zwei der zwölf Start-Ups aus TransMIT-Zentren bisher – betonten die Unterstützung bei der wirtschaftlichen Verwertung und auf dem Weg zur späteren Gründung. „Wir konnten mit der TransMIT bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt unsere Lösungen auf dem Markt anbieten“, erläuterte Dr. Drüschler. Dr. Linklater ergänzte: „Das Angebot der TransMIT ist sehr niedrigschwellig. Das war damals für uns sehr positiv.“

Wie Technologietransfer aus einem konkreten industriellen Bedarf heraus funktionieren kann, schilderte Dr. Norman Kachel von B. Braun SE: „Wir haben die Lösung, die wir seinerzeit für unser Problem gesucht haben, bei der TransMIT und der Hochschule gefunden.“ Dr. Alexander Katzung, Innovationsmanager bei B. Braun, richtete den Blick zugleich auf die kommenden Jahrzehnte und lobte dabei auch die bei derTransMIT angestrebte Ausweitung und Intensivierung der Unterstützung von Start-ups: „Wir müssen noch stärker in die Anwendung kommen!“

Prof. Dr. Bernhard Spengler, Leiter des TransMIT-Zentrums für massenspektrometrische Entwicklungen, betonte den besonderen Stellenwert des Zusammenspiels von Unternehmen, Universitäten und TransMIT sowie die hervorragende Zusammenarbeit mit Thermo Fisher Scientific in den vergangenen 15 Jahren. „Wir haben inzwischen eine hohe internationale Anerkennung erreicht, das sollte genauso fortgeführt werden. Auch jenseits konkreter Umsätze kommt viel mehr zurück als man sich oftmals klarmacht. Die JLU und Gießen ist durch den Bau unserer Geräte mit der TransMIT weltweit bekannt.“

Vor diesem Hintergrund wurde auch die langjährige produktive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, TransMIT und international tätigen Industrieunternehmen auf dem Podium deutlich. Prof. Alexander Makarov, Director of Global Research bei Thermo Fisher Scientific, einem US-Konzern mit 140.000 Angestellten, verwies in diesem Zusammenhang, neben der hohen Bedeutung der TransMIT für den Bereich der Massenspektrometrie bei Thermo Fisher, überdies auf zahlreiche gemeinsame Publikationen und Geräteentwicklungen.

Von der regionalen Initiative zur Transferplattform

Dreißig Jahre nach ihrer Gründung steht die TransMIT damit heute für ein Transfermodell, das sich kontinuierlich weiterentwickelt hat: von einer gemeinsamen Initiative der mittelhessischen Hochschulen und regionalen Partner hin zu einer breit aufgestellten Plattform für die professionelle Umsetzung wissenschaftlicher Ideen.

„Vor zehn Jahren haben wir anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens darüber gesprochen, wie wir das Erfolgsmodell TransMIT in den kommenden zwanzig Jahren fortsetzen und weiterentwickeln können“, resümiert Dr. Peter Stumpf. „Heute können wir feststellen, dass sich die TransMIT in dieser Zeit zu einer leistungsfähigen Transferplattform für die Gesellschafterhochschulen und ersten einzelnen, weiteren Hochschulen bundesweit weiterentwickelt hat. Gleichzeitig stehen wir vor neuen Herausforderungen und Chancen: Wir wollen europäischer werden, neue Kooperationsnetzwerke aufbauen und mit dem ab heute neuen Geschäftsbereich TransMIT-StartLabs den Weg von der wissenschaftlichen Erkenntnis zum gründungsfähigen Deep-Tech-Vorhaben erweitern und noch konsequenter begleiten. Gegebenenfalls dann mit Übergabe der Teams auf die StartMiUp Factory GmbH. Unser Ziel bleibt dabei dasselbe wie vor 30 Jahren: Wissen und Technologien gemeinsam mit unseren Partnern in die Anwendung und damit in die Gesellschaft zu bringen, jedoch nun auch mit deutlich mehr und neuen deutschlandweiten und europäischen Partnern. Der Personalaufbau für beide Ziele hat bereits begonnen.“

 

 

  

Notiz für die Redaktion
Die TransMIT GmbH erschließt und vermarktet im Schnittfeld von Wissenschaft und Wirtschaft seit 1996 mit rund 160 Angestellten das Innovations-Potenzial zahlreicher Wissenschaftler aus mehreren Forschungseinrichtungen in und außerhalb Hessens. Direkt aus den drei Gesellschafterhochschulen der TransMIT GmbH (Justus-Liebig-Universität Gießen, Technische Hochschule Mittelhessen und Philipps-Universität Marburg) bieten mehr als 180 TransMIT-Zentren unter professioneller wissenschaftlicher Leitung innovative Produkte, Technologien, Dienstleistungen sowie Weiterbildungsveranstaltungen aus nahezu allen Fachrichtungen an. Der Geschäftsbereich Patentverwertung identifiziert und bewertet im Kundenauftrag Produktideen und Forschungsergebnisse und bietet diese international für Lizenzierung oder Kauf an. Das betreute Portfolio umfasst dabei alle Technologiefelder deutscher Hochschulen. Ergänzt wird dieses Angebot durch Leistungen für das komplette Innovationsmanagement von der Idee bis zum marktreifen Produkt im Geschäftsbereich Managed Innovation Services (MIS), insbesondere Fördermittelberatung und Projektmanagement für kleine und mittelständische Unternehmen. Darüber hinaus initiiert und betreut das Geschäftssegment Kooperationsnetzwerke & Neue Märkte Netzwerke zwischen KMU, die sich proaktiv weiterentwickeln wollen. Die TransMIT GmbH hat bei mehreren Rankings im Auftrag verschiedener Bundesministerien jeweils den 1. Platz unter den 21 größeren Technologietransfer-Unternehmen in Deutschland erreicht. Referenzprojekte sind u. a. das Museum „mathematikum“, das Clustermanagement für die Medizinwirtschaft „timm“ und die BMWi-Projekte „SIGNO KMU-Patentaktion“ und „-Erfinderfachauskunft“ sowie „WIPANO Unternehmen“. Die TransMIT GmbH war federführender Partner der Horizont2020-EU-Initiative KETBIO (Key Enabling Technologies in Biotechnology), baut aktuell über das Projekt GO-Bio initial den Transfererfolg in den Lebenswissenschaften aus und unterstützt GründerInnen im Rahmen der Förderinitiative EXIST. Gemeinsam mit StudiumPlus, Philipps-Universität Marburg und Regionalmanagement Mittelhessen betreibt die TransMIT derzeit mit TeamMit das Transformationsnetzwerk der Automobilindustrie in Mittelhessen.

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  Susanne Oettinger
Project/Cluster Manager &
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TransMIT
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